Fairy Treasure Deluxe

Gemeinhin gilt: Hat man ein Ziegel-Abräumspiel gesehen, kennt man sie alle. Die Spielmechanik und die Extras bieten im Rahmen des Genreüblichen nur wenig Auswahlmöglichkeiten. Zum Glück gibt es Titel wie Fairy Treasure, die diesen Mangel an technischer Phantasie durch Spielspaß, Charme, Persönlichkeit und gute, altmodische Unterhaltung mehr als wettmachen. Glauben Sie uns: Dies ist kein revolutionärer Durchbruch. Viele Mitbewerber haben den ganzen Fuhrpark schon erfolgreicher nachgeahmt, von den Bonussteinen beim fröhlichen Ziegelabräumen über den griffigen New-Age-Soundtrack und das atmosphärisch dichte Fantasysetting. Und trotzdem: Von dem Moment an, wo das animierte Startmenü auf dem Bildschirm erscheint, über viele der satten 120 Level, die man am liebsten in einer gewaltigen Marathonsitzung plattmachen würde, bis zum Ausschalten ist das Ganze eine höchst unterhaltsame Achterbahnfahrt. Über die Hintergrundgeschichte muss man nicht viel erzählen. Der Spieler muss auf Geheiß des edlen Königs Richard den gierigen Troll Dronk jagen, der dem Volk von Trollandia einen wertvollen Schatz gestohlen hat. Trotz der attraktiven Präsentation - es brennen etwa magische Flammen die Worte der Hintergrundgeschichte in Pergament - ist das alles nur eine Ausrede, um sich gleich in die Action stürzen zu können. Was man wirklich wissen muss, ist Folgendes: Man steuert ein Floß am unteren Bildschirmrand und schlägt damit heranrasende Bälle in die verschiedenen Ansammlungen von Felsen, Steinen und Statuen, und erst wenn auch das letzte Hindernis zu Staub zerschmettert ist, hat man ein Level geschafft. Eine simple Aufgabe, die aber in der Praxis ausgezeichnet funktioniert. Zu Beginn fliegen ein paar Feen über den Bildschirm und enthüllen die Architektur und das Layout der Spielfeldes für jedes Levelszenario. Die Hintergründe wie neblige Seen und geheimnisvolle Wälder sind einfach und statisch, und auch das Ziel des Spieles ist simpel: einfach keinen Ball vorbeifliegen lassen. Einer der wirklichen Höhepunkte des Spiels aber ist das Leveldesign. Vergessen Sie das große Bild; langsam und ausdauernd Granitblöcke zu Staub zerklopfen, gleichzeitig Power-Ups einsammeln, die Mehrfachbälle oder Zusatzflöße gewähren und Bälle in flammende Feuerkugeln verwandeln, die sich durch alle Hindernisse schneiden wie ein heißes Messer durch Butter - das kennt man. Was Sie hier hingegen wirklich beachten sollten, sind die Details. Stellen Sie sich Laternen vor, die an Ketten hängen, und wenn man sie trifft, fallen sie runter und zerschellen mit deutlichem Klirren. Wackelnde Töpfe voller Gold, die bei einem Treffer scheppernd herunterfallen und beim Aufprall Münzen in die Luft schleudern (sammeln Sie 100 Stück ein, dann gibt es ein Extraleben). Hexen sitzen auf Vorsprüngen und zaubern zerstörte Hindernisse wieder intakt. Nicht zu vergessen Felsblöcke, die sich an Ketten bewegen; Tränke, die herunterfallen, zerschellen und sich über die Umgebung ergießen, wobei sie magische Effekte auslösen; und Feenhelferchen, die - sobald man sie aus ihrem Gefängnis befreit hat - auch wahllos Hindernisse zerstören. Alles in allem haben die Spieldesigner viel Liebe und Mühe darin investiert, dass sich die Spielwelt lebendig und interessant anfühlt. Darin unterscheidet sich dieses Spiel wohltuend von der Legion lebloser Clone, gegen die es antritt. Man wird Fairy Treasure nicht so sehr wegen des eigentlichen Spiels immer wieder starten (obwohl es sich auch da bemerkenswert gut schlägt, oft zu einer weiteren Runde einlädt und erstaunlich widerspenstige Hindernisse bietet), sondern wegen der schieren Neugier auf Unentdecktes. Das Einsammeln verschiedener Schriftrollenteile (für Bonuspunkte) oder Symbole (für die ultimative Waffe, einen explodierenden Feuerball an einer Kette) ist nicht die Hauptattraktion, sondern der eigentliche Reiz liegt im Gesamtpaket, in der frohen und unterhaltsamen Hektik, wenn das Spiel richtig in Fahrt kommt und man mit mehreren Bällen jongliert, während eine endlose Fülle von Juwelen, Tränken, Schriftrollen und sonstigem Glitzerkram herabregnet. Für uns der einzige wirkliche Schwachpunkt bei dem ganzen Spaß: die elend lange Zeit, die man braucht, um manche Level leerzuräumen, besonders im Hinblick darauf, wie selten Sonderwaffen erscheinen. Viel zu oft sind am Ende eines Levels nur noch fünf oder sechs Steine übrig, von denen man jeden mehrmals treffen muss, um ihn kleinzukriegen. Wenn man allerdings kurz zuvor mal gestorben ist oder ein Bonus gerade abgelaufen ist, ist das systematische Abräumen dieser Blöcke - selbst mit Hilfe freundlicher Feen - ein frustrierend langgezogener Vorgang, besonders, wenn diese Blöcke nicht nebeneinander liegen. Doch von dieser kleinlichen Meckerei mal abgesehen, eines steht fest: Hier sind etliche Stunden soliden Spielspaßes einprogrammiert. Fazit: Fairy Treasure mag nicht gerade originell sein, aber selbst als x-ter Ableger einer ganzen Familie von Steinbrecherspielen ist es trotzdem noch purer unbezahlbarer Spielspaß.
Spiel-Review von Gamezebo. Copyright © 2009 Gamezebo. Alle Rechte vorbehalten.
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